Aus dem Leben eines Musikers

 
 
 

zurück

 

Datenschutz

Impressum

 


Berlin, Berlin

Einer meiner Träume: In Berlin leben.

Weil das aber nicht so einfach umzusetzen ist, hier ein paar Gedichte von meinen Reisen:

Hackescher Markt 1
Hackescher Markt 2
Oranienburger Straße
Hackescher Markt 3

Alexanderplatz
Kreuzberg 1
Monbijouplatz
Kreuzberg 2
Eberswälder Straße
Wannsee
Hotel Adlon

 

Hackescher Markt 1


Erstaunlich viele Paare haben sich erstaunlich wenig zu sagen

Da sitzen sie, gemeinsam an einem Tisch und sehen trotzdem einsam aus.
Den Blick abgewandt.
Sie haben sich augenscheinlich nichts zu sagen,
sind sich zu oft begegnet,
haben schon zu viele Worte gewechselt.

Alle Wörter verbraucht. Was tun?
An einem Tisch sitzen, den Blick abgewandt.
Wortlos.

Trauriger Anblick.
nach oben

 

Hackescher Markt 2


Der Traumproduzent

Da steht er und macht aus Seifenwasser Seifenblasen. Große Seifenblasen.
Er weiß, dass das gut gefällt.
Was er nicht weiß ist, dass das auch gefährlich ist.

Die Seifenblasen verformen sich zu Herzen, werden zu Luftkissen auf denen man Träume ablegen kann, die mit den Träumen nach oben schweben.
Herzkissen.
Herzkissen, die dann...
Zerplatzen.
Geplatzte Traumablage, Traumabsturz.

Der Arme hat ja keine Ahnung.
nach oben

 

Oranienburger Straße


Die Huren der Stadt sind hinter mir her

Eigentlich sind sie hinter allem her was sich bewegt. Was tun?
Sich bewegen, - stehenbleiben?
Sich bewegen und sich dabei vorstellen es würde sich jemand für dich interessieren, sich wenigstens für dein Geld interessieren.

Stehenbleiben, in Bewegung bleiben?
Die sehen schon echt gut aus, weeste.

Bewegung. Puh, abgehängt.
nach oben

 

Hackescher Markt 3

The pros and cons of Handyklingeln

nach oben

 

Alexanderplatz


Der Hellseher aus Kurdistan

Hunger der fast zu einem Schwächeanfall führt.
Berlin ist so groß. Kebab in Sicht.
Dürum oder Fladen?
Fladen. Er hat es vorher gewußt.
Keine Sauce bitte. Er hat es vorher gewußt.
Der Kebabverkäufer ist etwas zu gesprächig für meinen Tagesanfang.

Trotz der überdurchschnittlichen UV-Belastung meiner Augen lupfe ich die Schutzbrille um mein Gesicht zu zeigen, freundlich zu sein.

Er hat es natürlich die ganze Zeit gewußt.
"Sie sind nicht Türke, sie sind Kurde."

Etwas verwirrt ziehe ich weiter.
nach oben

 

Kreuzberg 1


Konrad Schwan Superstar

Ein schöner Tag um am See zu liegen. Nichts tun außer Bier trinken, den Wolken Namen geben, Luft glotzen. Und er?
Der Enkel von Konrad Lorenz spricht mit den Schwänen.
Die Schwäne sprechen anscheinend auch mit dem Enkel von Konrad Lorenz.

Konrads Enkel rollt über den Boden, streckt den Hals nach vorne, ist selbst Schwan. Beliebter, ja, geliebter Schwan.

Besser Bier trinken.
nach oben

 

Monbijouplatz


Vorhang auf für den schlechtesten Akkordeonspieler der Welt

Kaffee trinken, die Sonne genießen, Zigaretten rauchen. Prima Tagesanfang.
Diese Stadt hat ein paar wirklich schöne Ecken.
Schaubühne Berlin. Logenplatz.

Pappbecher und Akkordeon lugen um die Ecke.
Nicht mal elf und die sind schon wach? Ungewöhnlich für Künstler.
Richtig gedacht. Platzkonzert.
Wollen die mich verarschen? Verärgerung. Wut. Besser nichts anmerken lassen, könnte die Russenmafia sein.

Schutzgeld zahlen, Ohrenschutz.
Ein Euro in den Pappbecher und der Vorhang fällt.
Der schlechteste Akkordeonspieler der Welt zieht weiter.
nach oben

 

Kreuzberg 2
East Vs. West

Sie scheinen sich gut zu verstehen.
Berlin spielt Gitarre, Tokio würde es gerne. 1:0

Berlin kennt jede Menge Lieder, Tokio auch. 2:1

Berlin mag Asien, Tokio Berlin. 3:2

Berlin spricht nicht japanisch, Tokio nicht deutsch. 3:2

Englisch beide eher schlecht. 3:2

Sie geben sich gegenseitig genau das, was sie brauchen. 4:3

4:3. Gut wenn man ein bißchen Gitarre spielen kann.
nach oben

 

Eberswälder Straße


Was halte die Italiener von die Deutsche

Pizzeria. Eberswälder Straße.
Ich bestellle Rotwein, trocken. Sie: "Gibt es die Montepulciano, die Chianti und die Primitivo."
Davon ausgehend, dass alle drei wohl eher schlicht sind bestelle ich Primitivo.
"Die Deutsche nehme diese Wein gerne, weil..."

Ist mit meinem Outfit was nicht in Ordnung? - Sie trägt Pulli und Jeans.

Ist mein Auftreten zu wenig weltmännisch? - Ihres ist es sicher nicht.

Bestelle ich den Wein, den man auf gar keinen Fall bestellen sollte? - Sie bietet ihn an.

"Die Deutsche nehme diese Wein gerne, weil vielleicht ist leicht zu speche."

Das klärt nicht alles, hilft aber für den Moment.
nach oben

 

Wannsee


Pack die Badehose ein

Endstation Wannsee, wie wahr.
MS Heiterkeit. Vergnügungsdampfer hieß das wohl mal.
Die Geldmenschen haben alles abgeriegelt. Yachtclub, Hotel, Privatvilla. Kein Durchkommen.
Vergnügen aus der Vergangenheit? Vergnügen für Wenige. Bin nicht dabei.

Pack die Badehose ein, ...
Die fröhliche Melodie, die mich auf der S- Bahnfahrt begleitet hat färbt sich nach Moll.

Vergnügungsvakuum, Dampf ablassen, Scheiße schreien.

Ich pack die Badehose ein und dann nichts wie weg vom Wannsee.
nach oben

 

Hotel Adlon


Eine Legende

Berühmt, der Klavierspieler da oben auf dem Balkon der gerade "Song for guy" spielt.

Berühmt, das ganze Haus und die erhabene Atmosphäre darin.

Berühmt, viele der Menschen die hier absteigen und bei einem Kaffee dem Klavierspieler auf dem Balkon zuhören.

Berühmt vielleicht auch das Seviceteam, dass mir gerade suggeriert, dass ich genau so willkommen bin, wie alle anderen.

Nicht berühmt, ich.
Gehöre hier nicht her, will es auch nicht.

Der Klavierspieler hat übrigens kein sonderlich gutes Timing.
nach oben